Der Borderliner...

...weiss meistens nicht das er ein Borderliner ist und er würde es auch nicht einsehen.VIELLEICHT wenn es ihn ein Therapeut sagen würde aber daurch das es ihm nicht klar ist sind auch Beziehungen oft problematisch.Am Anfang sucht man die Fehler bei sich selbst und wundert sich daüber das jegliche Liebesbezeugungen im Streitfall wie aus dem Gedächnis gelöscht sind....Ihr werdet das nicht glauben ähnlich ist es tatsächlich ...für einen Borderliner gibt es nur schwarz und weiss ..Abstufungen und ein Dazwischen gibt es bei diesen Menschen nicht.Das bedeutet entweder wenn man sich verträgt ist mal ALLES oder im Streitfall NICHTS...Genau genommen kann die Person gar nichts dafür denn ihm ist nicht klar das er so handelt und denkt...Ein Borderliner muss sich nicht zwangläufig selbst verletzen es gibt verschiedene Abstufungen und Facetten.Diese Person handelt ohne sich im Klaren zu sein welche Konsequenzen sein Handeln nach sich zieht.

 

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) wird auch emotional instabile Persönlichkeitsstörung genannt. Zum Erscheinungsbild gehören sehr wechselhafte Stimmungen und Affekte, ein zerrüttetes Selbstbild, sehr unterschiedlich ausgeprägte Arten von traumabedingten Dissoziationen und damit verbundene Autoaggression sowie extreme zwischenmenschliche Sensibilität [1] und extremes Emotionsgedächtnis [2]. Vor allem die letzten beiden Symptome sind häufig Ursache für soziale Konflikte. Grundsätzlich können die Symptome bei den Betroffenen sehr unterschiedlich sein; viele davon gibt es sogar gegenteilig. Die Stärke der Störung ist von Person zu Person individuell, ebenso das damit verbundene Leiden und die individuellen Belastungserscheinungen. Es ist jedoch immer eine seelische Dauerbelastung gegeben, das Leben Betroffener ist nachhaltig beeinträchtigt.Der Name „Borderline“ stammt aus Zeiten, als man BPS als einen Grenzfall (engl. borderline) zwischen Psychose und Neurose beschrieb. Menschen mit BPS leiden jedoch an ihren oft in ihrer Stärke nicht zu reduzierenden Reaktionen auf äußere Einflüsse, ihren starken Gefühlen und Erinnerungen. Sie können ihren Gefühlsimpulsen dann nichts entgegensetzen. So kann es sein, dass jemand in bestimmten Situationen für einen begrenzten, meist kurzen Zeitraum (situativ) nicht in der Lage ist, die allgemeine Realität richtig zu beurteilen (latente Hysterie). Zum anderen besteht die Möglichkeit, dass die Person für einen unbestimmten Zeitraum bezugsgerichtete Aspekte der Wirklichkeit nicht realistisch wahrnimmt. Beide Fälle stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem ursächlichen traumatischen Erlebnis und dem damit verbundenen dissoziativen Verdrängungsprozess.

Klassifizierung nach ICD und DSM

ICD-10

Siehe auch: International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems

Eine Persönlichkeitsstörung mit deutlicher Tendenz, ohne Berücksichtigung von Konsequenzen impulsiv zu handeln, und wechselnder, instabiler Stimmung. Die Fähigkeit vorauszuplanen ist gering, und Ausbrüche intensiven Ärgers können zu oft gewalttätigem und explosivem Verhalten führen; dieses Verhalten wird leicht ausgelöst, wenn impulsive Handlungen von anderen kritisiert oder behindert werden. Zwei Erscheinungsformen dieser Persönlichkeitsstörung können näher beschrieben werden, bei beiden finden sich Impulsivität und mangelnde Selbstkontrolle.

F60.30 impulsiver Typus. Die wesentlichen Charakterzüge des impulsiven Typus sind emotionale Instabilität und mangelnde Impulskontrolle. Ausbrüche von gewalttätigem und bedrohlichem Verhalten sind häufig, vor allem bei Kritik durch andere.
Mindestens drei der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen müssen vorliegen, darunter 2.:

  1. deutliche Tendenz, unerwartet und ohne Berücksichtigung der Konsequenzen zu handeln;
  2. deutliche Tendenz zu Streitereien und Konflikten mit anderen, vor allem dann, wenn impulsive Handlungen unterbunden oder getadelt werden;
  3. Neigung zu Ausbrüchen von Wut oder Gewalt mit Unfähigkeit zur Kontrolle explosiven Verhaltens;
  4. Schwierigkeiten in der Beibehaltung von Handlungen, die nicht unmittelbar belohnt werden;
  5. unbeständige und unberechenbare Stimmung.

F60.31 Borderline Typus. Einige Kennzeichen emotionaler Instabilität sind vorhanden, zusätzlich sind oft das eigene Selbstbild, Ziele und „innere Präferenzen“ (einschließlich der sexuellen) unklar und gestört. Meist besteht ein chronisches Gefühl innerer Leere mit Neigungen zu intensiven, aber unbeständigen Anstrengungen, nicht verlassen zu werden sowie Suiziddrohungen oder selbstschädigenden Handlungen (diese können auch ohne deutliche Auslöser vorkommen).
Mindestens drei der fünf eben erwähnten Kriterien des impulsiven Typus müssen vorliegen und zusätzlich mindestens zwei der folgenden Eigenschaften und Verhaltensweisen:

  1. Störungen und Unsicherheit bezüglich Selbstbild, Zielen und „inneren Präferenzen“ (einschließlich sexueller);
  2. Neigung, sich in intensive aber instabile Beziehungen einzulassen, oft mit der Folge von emotionalen Krisen;
  3. übertriebene Bemühungen, das Verlassenwerden zu vermeiden;
  4. wiederholt Drohungen oder Handlungen mit Selbstbeschädigung;
  5. anhaltende Gefühle von Leere.

DSM-IV

Ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in den zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild und in den Affekten sowie deutliche Impulsivität. Der Beginn liegt im frühen Erwachsenenalter und manifestiert sich in verschiedenen Lebensbereichen.

Mindestens fünf der folgenden Kriterien müssen erfüllt sein: [7] [8]

  1. verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden. Beachte: Hier werden keine suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen berücksichtigt, die in Kriterium 5 enthalten sind.
  2. Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.
  3. Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.
  4. Impulsivität in mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Bereichen (Geldausgaben, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, „Essstörungen“). Beachte: Hier werden keine suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen berücksichtigt, die in Kriterium 5 enthalten sind.
  5. Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten.
  6. Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung (z. B. hochgradige episodische Dysphorie, Reizbarkeit oder Angst, wobei diese Verstimmungen gewöhnlich einige Stunden und nur selten mehr als einige Tage andauern).
  7. Chronische Gefühle von Leere.
  8. Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren, (z. B. häufige Wutausbrüche, andauernde Wut, wiederholte körperliche Auseinandersetzungen).
  9. Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.

Differentialdiagnostik: Einige der Symptome können auch bei anderen Störungsbildern auftreten, so z. B. bei Depressionen, Schizophrenien, schizoaffektiven Psychosen, schizoiden Persönlichkeitsstörungen, narzisstischen Persönlichkeitsstörungen oder bei paranoiden Persönlichkeitsstörungen. Die Diagnose erfordert daher eine sorgfältige Abklärung.

Symptome

Wie die Grade der Störung selbst, so sind auch die Symptome höchst unterschiedlich. Jeder Betroffene hat ein eigenes Belastungsbild. Die Symptome können bei den Betroffenen auch gegenteilig ausgeprägt sein. Es gibt 2 "Grundtypen" mit bestimmten Tendenzen, eine Gruppe, "impulsiver Typus", lebt die Aggression eher nach außen aus während die andere, "Borderline Typus" sie eher gegen sich selbst richtet, jedoch gibt es hier Überschneidungen. "Von großer Bedeutung beim Borderline-Symptom ist das Fehlen einer grundlegenden Selbstidentität. Aus diesem Grund passen sie sich oft wie ein Chamäleon an die momentane Umgebung, an eine bestimmte Situation oder an die momentane Gesellschaft anderer an... " [9] Die BPS tritt oft in Begleitung anderer Krankheiten auf. Viele Borderliner haben zusätzlich eine chronisch endogene Depression.

Starke, oft für die Betroffenen selbst nicht nachvollziehbare Stimmungsschwankungen sind häufig. Viele Borderliner leiden stark an negativen, depressiven Stimmungen, so dass das Vorhandensein der negativen Stimmung zu einer weiteren Frustation darüber führen kann, dass die eigene Stimmung so schlecht ist, eine verhängnisvolle "Spirale". Während bei einer Person mit Bipolarer Störung eine Stimmung für mehrere Wochen anhält, kann ein Mensch mit einem Borderline-Symptom intensive Schübe aus Angst, Depression, Selbsthass oder Wut für einen kurzen Zeitraum oder wenige Stunden erleben, jedoch auch über mehrere Tage und noch deutlich länger. Diese können in Verbindung mit Störungen der Impulskontrolle wie impulsiver Aggression, selbstverletzendem Verhalten und Alkohol- und anderem Drogenmissbrauch auftreten. Es kann zu übermäßigem Geldausgeben oder Essstörungen kommen sowie zu Beziehungssucht und riskanten Sexualpraktiken. Abhängigkeits- oder Suchtverhalten ist eine häufige Begleiterscheinung. Besonders BPS-Betroffene „verlagern ihre Sucht“ (Suchtverlagerung) von einem Bereich in einen anderen, sie wechseln plötzlich die Drogen bzw. den Suchtbereich. Die meist mit der Abhängigkeitserkrankung einhergehenden selbstzerstörerischen Verhaltensweisen können das Krankheitsbild verstärken.

Wahrnehmungs- und Bewusstseinsstörungen können zu häufiger Änderung von Langzeitzielen, Karriereplänen, Berufen, Freundschaften, Geschlechtsidentität, Religionszugehörigkeit, der Meinung und Werten führen. Häufig berichten die Patienten, dass sie „sich selbst nicht fühlen können“ (Depersonalisation), oft fühlen sie sich selbst gegenüber fremd, es handelt sich dabei um auch sehr stark auftretende dissoziative Symptome. Manchmal empfinden sich Menschen mit BPS als grundsätzlich schlecht oder wertlos. Selbsthass kann durch Situationen ausgelöst werden, auf die die Betroffenen selbst keinen Einfluss haben.

Es kann zu psychosenahen Episoden mit schnell wechselnden Symptomen kommen, die aber in kürzester Zeit wieder verschwinden (reversibel sind).[10]

Selbstverletzendes und auch suizidales Verhalten ist häufig anzutreffen. Typische Formen sind z. B. Aufkratzen der Haut sowie selbstverursachte Biss-, Schnitt- oder Brandwunden. Häufig äußern sich verborgener oder offener Selbsthass oder die oft schwer zu erkennende Dissoziation und die Unfähigkeit, die plötzlich auftretenden Spannungen abzubauen, sowie ein Gefühl des „sich nicht mehr Spürens“ in autoaggressivem Verhalten. Eine Gefahr der Selbstverletzung oder eines Selbstmordes kann auch in manchen Fällen zum Zeitpunkt einer Hochstimmung bestehen. Selbstverletzung findet also vor allem zur Selbstbestrafung, zum Spannungsabbau sowie um "sich selbst zu Spüren" statt. Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass Borderline-Patienten ein verringertes Schmerzempfinden besitzen, das heißt auf einen Schmerzreiz weniger reagieren als Vergleichspersonen. Dies wird auf einen aktiven Unterdrückungsmechanismus des Gehirnes zurückgeführt [11][12] [13][14][15].

6 Studien, die von 1986 - 1990 durchgeführt wurden, kommen auf eine durchschnittliche Suizidrate von 6,1% bei Borderlinern. (2%, 2.4%, 3%, 6%, 7,7%, 8,5%)[16]. Eine andere Quelle gibt zwischen 5-10% Suizidrate an [17]. Es gibt Hinweise, dass die höchste Suizidgefahr im Alter zwischen 20 und 29 Jahren besteht. [18] Suizidversuche der Betroffenen können der Versuch sein, sich selbst zu bestätigen, dass sie Leben, indem sie irgendetwas fühlen. [19]

Sozialverhalten und Partnerschaft

Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind oft höchst instabil. Viele Borderliner schwanken zwischen großer Distanz und Klammerverhalten. Betroffene versuchen oft verzweifelt, ein Verlassenwerden zu vermeiden. Die Betroffenen sind schnell enttäuscht und erbost, wenn andere ihre Erwartungen nicht erfüllen, bleiben aber trotzdem intensiv an sie gebunden [20]. Einige Borderlinekranke demütigen die Personen, die sie lieben, wünschen sich aber gleichzeitig, dass die jeweilige Person bleibt. Trotz Entwertung der anderen Person fürchten sie sich davor verlassen zu werden. Völlige Idealisierung einer Person sowie totale Ablehnung und Verdammung können sich innerhalb kurzer Zeit abwechseln. Vielen Betroffenen fehlt die Fähigkeit, ein ganzheitliches Bild von anderen Menschen aufzubauen, ihre Vorstellung von Beziehungen ist eher skizzenhaft. [21] BPS-Betroffene können oft nur ein Gefühl wahrnehmen, während gesunde Menschen häufig 2 Gefühle gleichzeitig wahrnehmen können, so dass Ablehnung für BPS-Betroffene schnell absolut ist, sie sehen dann nur das negative, während es anderen Menschen ohne BPS Störung oft gelingt, auch in Krisensituationen die guten Seiten des anderen nicht aus den Augen zu verlieren.

Die Angst, verlassen zu werden, steht oft in Beziehung mit eigenen, traumatischen Erfahrungen und deren dissoziativer Bewältigung. Dies führt dazu, dass sich der Betroffene oft unbewusst in einer Weise verhält, durch die er die Bezugsperson verliert oder zumindest kränkt. Es fällt den Betroffenen schwer, Nähe zuzulassen, auch wenn sie ständig danach suchen. Dieses Problem ist ich-synton, das heißt Betroffene wissen nicht bzw. haben höchstens ein unangenehmes Gefühl, dass sie de facto Angst vor Nähe haben. "Durch zu starke Nähe droht der Betroffene zu ersticken. Wenn er Distanz erlebt und sich selbst überlassen wird - auch wenn es nur kurzfristig ist - erinnert er sich an das Gefühl des Verlassenseins, das er als Kind erlebte." [22]

Bereits kleine Anlässe können starke Gefühlsimpulse auslösen, die vom Betroffenen nicht verarbeitet werden können. Es gibt für viele Betroffene häufig über Tage oder sogar Wochen keinen Ausweg aus der eigenen Gefühlswelt. Häufig werden Äußerungen sowie Kommunikationssignale wie Gesten, Mimik und Betonung sehr intensiv analysiert und auf „Signalwirkung“ hinsichtlich möglicher Angriffe oder feindlichen Verhaltens untersucht. Ursache ist die häufig anzutreffende generelle Erwartungshaltung, dass Kränkungen vom Gegenüber zu erwarten sind. Fühlen sich Borderliner gekränkt, so haben sie langfristig große Probleme, diese Situationen aus dem Gedächtnis zu "löschen" [23], so wie die traumahaften und schädigenden Situationen aus der Kindheit fest im Gedächtnis verankert sind und so häufig präsent sind, zeigt sich auch hier ein ausgesprochen gutes emotionales Gedächtnis.

"... wiedersprüchlichkeit ist das Merkmal von Borderline-Persönlichkeitsstörungen. Die Betroffenen sind nicht in der Lage, Widersprüche zu tolerieren und Verhalten sich doch selbst durch und durch paradox." [24]

Es kann zu "manipulativen", also angedrohten Suizidversuchen kommen, [25] häufig ohne die Absicht, zu sterben. Damit wollen Betroffene auf ihren Schmerz aufmerksam machen, sogar gepaart mit der Anweisung, keine Hilfe zu holen. Die Umwelt reagiert oft mit Rückzug und Ablehnung auf dieses Verhalten, die Betroffenen erreichen also meist kein Verständnis, sondern das Gegenteil. [26]

Kommunikation mit Betroffenen

Die Kommunikation mit Menschen, die die Borderline Persönlichkeitsstörung haben, ist häufig nicht einfach, besonders in Krisensituationen nicht. Die hohe Verletzbarkeit wegen der oft sehr großen Sensibilität kann zu unvorhersehbaren Konflikten führen. Um hier für alle Seiten etwas Ruhe zu schaffen, haben die Autoren Jerold Kreismann und Hal Strauss in dem Buch Ich hasse dich, verlass mich nicht konkrete Tipps zusammengefasst, wie eine möglichst deeskalitive Kommunikation mit Borderline Betroffenen aussehen kann. Sie nennen das SET - Support, Empathy and Truth, das steht ins Deutsche übertragen für Zuneigung bekunden, Einfühlungsvermögen zeigen und die Wahrheit aussprechen. Die Lebensratgeberzeitschrift "Simplify your life" greift das Modell "SET" (Support, Empathy and Truth) auf, und macht daraus das deutsche "BMW" (Bekenntnis, Mitgefühl und Wahrheit). [27] Das Modell wird näher erklärt im Artikel Krisenkommunikation (Sozialpsychologie).

Ursachen

Mindestens 70 % BPS-Patienten haben eine Vorgeschichte von traumatischen Erfahrungen in der (frühen) Kindheit und Jugend aufzuweisen [28], die oft aus gestörten Beziehungen zu den Eltern [29] und Missbrauch resultieren. Auch über- oder unterengagierte Eltern, Abhängigkeitserkrankungen bei den Eltern, Vernachlässigung oder Trennung im jungen Alter sind häufige Kindheitserfahrungen von Betroffenen. Ein ambivalentes Elternhaus spielt hier eine wichtige Rolle, viele Betroffenen berichten über wenig fürsorgliche, wenig emotional unterstützende Eltern, und/oder diffuse Erziehungsstile oder Überkontrolle. [30]. Emotionale "Verwahrlosung" wie das Nichtversorgen bei Schmerz, Krankheit oder Problemen ist bei vielen Betroffenen in der Kindheit vorgekommen. Ebenfalls kommt körperliche Misshandlung häufig vor. Häufig finden die Traumatisierungen durch Vernachlässigung und andere "Erziehungsfehler" statt, weil die Eltern selbst krank sind (z.B selbst von Borderline betroffen oder Alkohol-/Drogenabhängig sind) und daher überfordert sind und in vielen Situationen mit Unverständnis reagieren.

Eine große Zahl der BPS-Patienten berichtet von einem sexuellen Missbrauch, viele Betroffene stammen aus einem Elternhaus mit dauerhafter Trennung der Eltern durch Scheidung oder Verlust eines Elternteils.

BPS führt immer zu einer verminderten Belastbarkeit und dadurch zu einer erhöhten Gefahr, zusätzlich traumatisiert zu werden. Erwachsene mit BPS sind auch wesentlich häufiger Opfer von Gewalt, einschließlich Vergewaltigung und anderen Verbrechen. Ungünstige Partner- oder Lebensstilwahl, schädigende Umgebungen und die eigene Impulsivität können dazu beitragen.

Einige Forscher nehmen an, dass BPS-Patienten auch eine vererbte empfindliche Veranlagung für Traumatisierungen haben (siehe Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung). Andere Forscher glauben, dass BPS aus einer Kombination von individueller Verletzlichkeit als kleines Kind plus einer Reihe von auslösenden traumatisierenden Ereignissen verursacht wird.

Es gibt Ähnlichkeiten zwischen BPS und Posttraumatischer Belastungsstörung und Dissoziativer Identitätsstörung (siehe Weblinks), sowohl im Erscheinungsbild als auch bei den Ursachen und der Therapie. (Frühe) traumatische Belastung, eine einzige schwere genauso wie viele (weniger) schwere, führt zu den beschriebenen Symptomen.

Geschichte

Der Begriff selbst stammt aus dem Jahre 1884 (von engl. borderland, „Grenzgebiet“, „Randgebiet“). 1938 wurde der Begriff „Borderline“ von Adolph Stern verwendet, um einen Typ von Patienten zu beschreiben, der mit damaligen psychoanalytischen Methoden nicht zufriedenstellend behandelt werden konnte. Stern arbeitete dabei besonders das Charakteristikum der Borderline-Persönlichkeit heraus, im Analytiker ein gutes und allmächtiges Objekt zu sehen, das sich abrupt in ein feindliches verwandelte, sobald der Therapeut nicht vollständig den Erwartungen des Patienten entsprach. In diesem Zusammenhang wurde auch BPS als Dissoziative Störung erwähnt. Verbunden damit war eine Störung der Realitätsprüfung bis hin zur Übertragungspsychose.

Resultierend aus der Objektbeziehungsstörung entsteht eine Widersprüchlichkeit des Selbstbildes bis hin zur Identitätsdiffusion, vor allem auch das Vorherrschen von Abwehrmechanismen wie der Persönlichkeitsspaltung, der Projektion und der Verleugnung. Die Widersprüchlichkeit, das oft paradoxe Verhalten war es, was es dem Berufsstand der Psychiater so schwer gemacht hat, einen allgemeingültigen Satz von Kritierien für diese Krankheit zu definieren. [31]

Ebenfalls entwickelten Gunderson und Singer 1975 Kriterien der BPS, welche mit denen Otto F. Kernbergs erstmals 1980 in das Diagnostische und Statistische Manual psychischer Störungen (DSM-III) als Definition der Borderline-Persönlichkeitsstörung eingingen. Teil der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde BPS erst 1991, und zwar unter dem Begriff „Emotional instabile Persönlichkeitsstörung“, wobei ein „Borderline-Typus“ und ein „Impulsiver Typus“ unterschieden werden. Der erstere bezeichnet die Personengruppe, deren Impulse in hohem Maße gegen die eigene Person gerichtet werden, was häufig zu autoaggressivem Verhalten führt. Der impulsive Typus richtet seine Impulse eher nach außen, was sich in einer Tendenz zu aggressiven Impulsen gegen andere Menschen oder Gegenstände bemerkbar machen kann.

Behandlung

Die Behandlungsmöglichkeiten für das Borderline-Syndrom haben sich in den letzten Jahren verbessert. Gruppen- und Einzelpsychotherapie sind für viele Patienten zumindest teilweise erfolgreich. In jedem Falle ist eine spezifische und systematische Psychotherapie effektiver als eine „allgemeine Behandlung“, wie sie die meisten Patienten immer noch erfahren. In den letzten fünfzehn Jahren wurden neue vielversprechende, psychosoziale Behandlungsmethoden entwickelt: die Dialektisch-behaviorale Therapie – Abk. DBT – (engl. dialectical behavior therapy), die Transference Focused Psychotherapy – Abk. TFP – (Übertragungsfokussierte Psychotherapie) und die Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie (PITT). Die DBT wurde von der US-amerikanischen Psychotherapeutin Marsha M. Linehan, die selbst Betroffene ist, entwickelt. Beide Verfahren messen der Beziehung zwischen Patienten und Therapeuten eine besondere Bedeutung bei; die DBT legte jedoch mehr Wert auf verhaltenstherapeutische Techniken und vertritt auch philosophische Elemente wie Achtsamkeit und Konstruktivismus. Die von John F. Clarkin, Frank Yeomans und Otto F. Kernberg entwickelte TFP ist psychodynamisch und psychoanalytisch orientiert und nimmt die Beziehungs- und Identitätsprobleme der Patienten in den Mittelpunkt. Der Fokus der Behandlung wird auf die Übertragungsbeziehung zwischen Therapeut und Patient im „Hier-und-Jetzt“ gelegt.[32] Die PITT nutzt zusätzlich die Erfahrungen aus der Trauma-Therapie. In allen Verfahren lernt der Betroffene zuerst, den Ausdruck seiner Gefühle zu kontrollieren (Affektkontrolle).

Pharmakologische Behandlungen werden häufig entsprechend den spezifischen Zielsymptomen des einzelnen Patienten verschrieben. Antidepressiva und Stimmungsstabilisatoren können bei depressiven und/oder labilen Stimmungen sinnvoll sein, es werden jedoch vor allem selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer empfohlen, die Stimmungsstabilisatoren werden zwar immer häufiger angewandt, für ihre Wirksamkeit fehlen jedoch wissenschaftliche Belege. Antipsychotische Medikamente (Neuroleptika) können – unter anderem bei Denkstörungen und Angstreduzierung – Besserung bringen; hier ist zu betonen, dass die modernen, so genannten atypischen Neuroleptika den konventionellen Methoden (z. B. Tranquilizer, typische Neuroleptika) vorzuziehen sind, da bei ersteren Nebenwirkungen seltener und vor allem (motorisch und kognitiv) weniger einschränkend sind – insbesondere müssen so genannte Spätdyskinesien, die nicht selten irreversibel sind, kaum befürchtet werden.

Kritik

Umstritten sind sowohl der Begriff als auch die diagnostischen Kriterien. Besonders der Psychoanalyse wurde unterstellt, mit dem Begriff Borderline die eigentlichen Ursachen der Störung zu verschleiern. Da in den weitaus meisten Fällen traumatische Vor- und Früherfahrungen vorlägen, plädieren mehrere Autoren (Herman, van der Kolk, Reddemann, Sachsse et al.) besonders aus der Traumaforschung dafür, die Borderline-Diagnose durch die Diagnose einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung zu ersetzen. Neuere Untersuchungen kommen jedoch zu dem Ergebnis, dass ca. ein Viertel der Betroffenen keine entsprechenden Erfahrungen gemacht haben sollen. Dabei bleibt allerdings unberücksichtigt, dass die Traumata oft schon in der frühen Kindheit liegen, während die Folgen erst im späteren Leben auffällig werden. Überdies haben manche Trauma-Erlebnisse einen dissoziativen Verdrängungseffekt; Betroffene können sich daran nicht mehr erinnern.

Genau wie bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung wird auch der Diagnose des Borderline-Syndroms oft vorgeworfen, es handle sich um eine sogenannte Modediagnose, bzw. um eine theoriebedingte Veränderung der Untersuchungsperspektive. Dem wird entgegen gehalten, dass die möglichen sozialen Ursachen zugenommen haben könnten (z.B. instabile Familien, Einsamkeit und Arbeitslosigkeit). Der englische Analytiker John Steiner beschreibt die Borderline-Position als psychischen Rückzugsort, der Zuflucht vor den Ängsten bietet, welche die Patienten bedrohen.

 

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